Über dieses Glossar
Dieses Glossar dokumentiert systematisch Kommunikationstechniken, die in politischen Debatten verwendet werden – sowohl solche, die die Demokratie stärken, als auch jene, die sie gefährden.
Verzerrungstechniken (Fremdverzerrung)
Verzerrungstechniken sind Kommunikationsstrategien, die gezielt eingesetzt werden, um Wahrnehmung und Urteilsbildung zu manipulieren. Sie können demokratische Diskurse untergraben, indem sie:
- Fakten selektiv darstellen oder verzerren
- Emotionen gezielt manipulieren
- Logische Fehlschlüsse nutzen
- Menschen oder Gruppen delegitimieren
Beispiele für Verzerrungstechniken:
- Cherry Picking (Rosinenpickerei): Selektive Auswahl von Daten oder Fakten, die die eigene Position stützen, während widersprechende Informationen ignoriert werden.
- Ad hominem: Angriff auf die Person statt auf deren Argumente.
- Strohmann-Argument: Verzerrung der gegnerischen Position, um sie leichter angreifen zu können.
- Falsche Dichotomie: Darstellung eines komplexen Sachverhalts als binäre Entweder-Oder-Entscheidung.
- Geladene Sprache: Verwendung emotional aufgeladener Begriffe zur Manipulation.
- Appell an die Angst: Erzeugung von Angst, um Zustimmung zu erreichen.
Selbstverzerrung
Selbstverzerrungen sind kognitive Verzerrungen, die unbewusst unsere Wahrnehmung und Urteilsbildung beeinflussen:
- Bestätigungsfehler (Confirmation Bias): Tendenz, Informationen zu bevorzugen, die die eigene Meinung bestätigen.
- Verfügbarkeitsheuristik: Überbewertung leicht verfügbarer Informationen.
- Gruppendenken: Tendenz, in Gruppen konformen Meinungen zuzustimmen.
FDGO-gefährdende Praktiken
Diese Praktiken untergraben die Grundprinzipien der freiheitlich-demokratischen Grundordnung (FDGO):
- Delegitimierung demokratischer Institutionen: Systematische Untergrabung des Vertrauens in Parlamente, Gerichte oder Medien.
- Verharmlosung von Extremismus: Relativierung extremistischer Positionen oder historischer Verbrechen.
- Ausgrenzung von Minderheiten: Systematische Diskriminierung oder Delegitimierung bestimmter Bevölkerungsgruppen.
- Angriffe auf Rechtsstaatlichkeit: Infragestellung rechtlicher Grundprinzipien oder Gewaltenteilung.
FDGO-fördernde Praktiken
Diese Kommunikationsformen stärken die demokratische Kultur:
- Evidenzbasierte Argumentation: Nutzung überprüfbarer Fakten und transparenter Quellen.
- Respektvoller Dialog: Wertschätzung anderer Positionen bei gleichzeitiger Wahrung eigener Überzeugungen.
- Konstruktive Kritik: Kritik an Sachverhalten ohne persönliche Angriffe.
- Inklusives Sprechen: Sprache, die Zugehörigkeit vermittelt und niemanden ausgrenzt.
Wissenschaftliche Grundlage
Das Glossar basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aus Kommunikationswissenschaft, Psychologie und Demokratieforschung. Alle Definitionen werden kontinuierlich überprüft und aktualisiert.
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